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Sind waschbare FFP2-Mehrwegmasken gesund?

Wäre es nicht toll, wenn es eine Alternative zu den FFP2-Einwegmasken gäbe? Einfach waschen und wiederverwenden? Aber leider ist das gar nicht so einfach. Die Lösungen, die angeboten werden, schützen zwar erfolgreich vor Viren, sind aber in der Umsetzung nicht ausgereift und belasten die Umwelt gleichfalls. Materialien, wie z.B. Teflon und Biozid Beschichtungen, sind in meinen Augen ein Desaster und keine nachhaltige Lösung, so sehr ich mir das auch gewünscht habe, als ich mich zum ersten Mal mit dem Thema FFP2-Mehrwegmasken beschäftigt habe.
Von daher nutzte ich, wann immer vorgegeben, die Einweg-Variante, die ich im Restmüll zur Verbrennung entsorge. So ist zumindest dafür gesorgt, dass die Umwelt nicht noch durch zusätzlichen Müll belastet wird.


Schadstoffe, Biozide und der Cocktail-Effekt

Tagtäglich sind wir vielen, zu vielen Schadstoffen, Umwelthormonen und Giften ausgesetzt. Die Grenzwerte der jeweiligen Schadstoffbelastungsgrenzen beziehen sich aber immer nur auf eine einzelne Chemikalie. In der Summe der vielen Gifte kommt es zu dem Cocktail-Effekt, der sich negativ auf unsere Gesundheit auswirkt. Gefährdet sind dabei besonders auch Kinder. Der BUND und viele andere Umwelt- und Gesundheitsschutz-Organisationen, fordern deshalb seit vielen Jahren dringende Maßnahmen für einen effektiveren Schutz vor einer Mehrfachbelastung. Den sogenannten Cocktaileffekt hat der Gesetzgeber bisher weitgehend ignoriert.

 

Der Cocktail-Effekt ist im Zusammenhang mit FFP2-Mehrwegmasken ein relevanter Punkt, denn hier werden Schadstoffe eingesetzt, die nach dem bisherigen Wissenstand unter einer die Gesundheit schädigenden Konzentration liegen, aber in Kombination mit anderen Schadstoffen zu einer nicht einschätzbaren Gefahr werden.


Aus welchem Material bestehen FFP2-Einwegmasken?

FFP2-Einwegmasken und medizinische Masken bestehen üblicherweise aus mehreren Vlieslagen des thermoplastischen Kunststoffs Polypropylen (PP), seltener auch aus Polyethylen (PE) und Polyethylenterephthalat (PET). Die Hauptbestandteile der Masken gelten als unbedenklich. Aber sowohl PP, PE als auch PET ist Plastik, wird in der Umwelt nur langsam abgebaut und zerfällt in Mikroplastik.

Die Stiftung Warentest veröffentlichte Ende Februar Testergebnisse zu zehn exemplarisch ausgewählten FFP2-Masken, hergestellt in Deutschland, China und in einem Fall auch Großbritannien. Dabei waren Schadstoffe laut einer Sprecherin "kein Problem", es gebe "keinerlei Beleg dafür, dass Masken schadstoffbelastet sind". Getestet wurde unter anderem auf Formaldehyd, Azofarbstoffe und Weichmacher ..." Allerdings gibt es auch andere Berichte, aus denen hervorgeht, dass einzelne Chargen sehr wohl belastet sein können. 


Aus welchem Material bestehen waschbare FFP2-Mehrwegmasken

Das ist ganz unterschiedlich:

Auf der Seite eines Herstellers für Mehrwegmasken finde ich folgende Information: "Die ... Maske setzt sich aus 2 Baumwollschichten, einer Polypropylen-Filtermembran und einer Nano-ePTFE Membran zusammen."

Aber was ist denn nun eine ePTFE-Membran?
Polytetrafluorethylen (PTFE) ist bekannter als Teflon. Am Ende dieses Artikels findest zu der giftigen Produktion von Teflon mehr Infos. 


Also Teflon? Und sonst? Wie sieht es mit Bioziden aus?
Auf meine Nachfrage beim Anbieter bekomme ich folgende Antwort: "Der Hersteller veredelt auch bei uns den Maskenstoff mit einem Biozid, welches jedoch in sehr geringen Mengen und unter 0,1% in der Konzentration aufgetragen wird. Hautverträglichkeitsuntersuchungen haben bestätigt, dass die geringe Konzentration unbedenklich ist und es zu keinen Hautirritationen kommt."

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber als Veredelung würde ich den Auftrag von Bioziden nicht bezeichnen.
Und die Biozide werden beim Auswaschen ins Wasser gespült ... Minimalmengen? Ja, das schon, wenn man sich nur das Auswaschen einer Maske anschaut. Aber wie sieht es aus, wenn mehrere Millionen Masken gewaschen werden?

 

Aufgefallen sind mir auch die sehr kreativen und überzeugenden Texte, die dem Verbraucher, wenn er sich nicht bis auf die letzte Unterseite durchklickt und alle Bezeichnungen für Stoffe etc. nachschaut, das Gefühl gibt er kauft ein gutes Produkt. Gut für die Umwelt und gut für seine Gesundheit. Und das ist leider nicht der Fall.


Was sind Biozide?

  • „Biozide sind Substanzen und Produkte, die Schädlinge und Lästlinge wie Insekten, Mäuse oder Ratten, aber auch Algen, Pilze oder Bakterien bekämpfen. In vielen Bereichen des privaten oder beruflichen Lebens werden Biozide eingesetzt, zum Beispiel als antibakterielle Putz- und Desinfektionsmittel, Holzschutzmittel bis hin zum Mückenspray und Ameisengift.“  Zitat Umweltbundesamt – Quelle: www.umweltbundesamt.de/themen/chemikalien/biozide
  • Biozide, wie zum Beispiel Silberchlorid, sollen also die Keimvermehrung verhindern. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) warnt jedoch davor, dass Biozide allergische Reaktionen auslösen können.
  • "Biozide wie Zinkpyrithion oder Silberchlorid sind schon länger in der Kritik. Sie stehen in Verdacht, die Fruchtbarkeit zu gefährden beziehungsweise Allergien hervorzurufen. Zudem können sich die Stoffe beim Waschen lösen und Wasserorganismen schaden.“, fasst Utopia zusammen.
  • Und das bef (baltic environmental forum) schreibt: Ein weiteres Beispiel für gefährliche Chemikalien in Kleidung sind Biozide und Nanosilber, die die Eigenschaft besitzen, Bakterien abtöten. Daher sind sie häufig als Zusatzstoff in der Kunstfaser Acryl enthalten, aus der auch Sportkleidung hergestellt wird."
    Quelle: https://www.bef-de.org/70-der-weltweit-produzierten-kleidung-besteht-aus-kunststoff-angereichert-mit-unmengen-an-chemischen-zusatzstoffen-eine-gefahr-fuer-deine-haut-und-unsere-umwelt/

Biozide in Mehrwegmasken

In den FAQ's eines der größten Hersteller wird folgende Antwort auf die Frage " Werden denn keine Chemikalien verwendet?" gegeben:

 

"Doch, es werden Chemikalien im Prozess eingesetzt, die den Vorschriften entsprechen und keine Gefahr für Verwender darstellen. Unsere aktuelle Rezeptur enthält das Biozid PHMB als Wirkstoff. Es ist für den Einsatz in Textilien zugelassen (siehe Frage 3) und wird in unseren Produkten in geringen Mengen eingesetzt, die deutlich unter den zulässigen Werten liegen. Das Hauptrisiko bei der Verwendung von PHMB liegt in der Freisetzung des Stoffes aus dem Textil. Während des Behandlungsvorgangs mit der ... Technologie wird das PHMB an die Oberfläche der Maske oder des Textils gebunden und nicht in nennenswertem Umfang freigesetzt. ... hat umfangreiche Prüfungen zur Hautverträglichkeit in Labors für Produktsicherheit in den USA gemäß den Anforderungen der EPA, der Umweltschutzbehörde der USA (siehe Anhang 3) und in Deutschland gemäß den europäischen Normen bestanden (siehe Frage 4)."  Quelle: https://livinguard.com/faq/?lang=de 

 

"In nicht nenneswertem Umfang freigesetzt"? ... In "nicht nennenswertem" Umfang ist keine fundierte Aussage. Ich möchte keine Biozide auf der Haut haben und sie auch nicht einatmen.
Hast du übrigens gewusst, dass Biozide auch bei Menstruationsunterwäsche verwendet werden? An Intimprodukten haben sie genau so wenig verloren, wie in Mehrwegmasken. Natana ist die einzige Marke, die ich kenne, die keine Biozide verwendet. Aber vielleicht hast du ja noch einen anderen Tipp für mich.


PHMB ist für Textilien, Tücher und Masken zugelassen

"PHMB (Polyhexamethylenbiguanid) ist ein Polymer, das vom Ausschluss für Biozid-Produkte der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) am 01.11.2019 unter der Produktart 2 offiziell zugelassen wurde (siehe Anhang 2). Die Anwendung ist für Textilien, Tücher, Masken und andere Artikel zugelassen. Die eingesetzte Menge an PHMB ist so gering, dass selbst unter ungünstigsten Bedingungen die Belastung mit PHMB weit unter dem zulässigen Schwellenwert liegt." Quelle: https://livinguard.com/faq/?lang=de


PHMB ist nicht zugelassen für menschliche Hygiene, Trinkwasser und als Schutz für Lagerprodukte

"Nichtgenehmigung von PHMB (1415; 4.7) als Wirkstoff in Biozidprodukten der Produktarten 1, 5 UND 6

...  Der Wirkstoff PHMB (1415; 4.7) [CAS-Nr. 32289-58-0 und 1802181-67-4] wird nicht zur Verwendung in Biozidprodukten der Produktarten 1 (menschliche Hygiene), 5 (Trinkwasser) und 6 (Schutzmittel für Produkte während der Lagerung) genehmigt. Für diese Produktarten wurden bei den zur Bewertung des Risikos für die menschliche Gesundheit und die Umwelt untersuchten Szenarien unannehmbare Risiken ermittelt.

Nach dem 23.04.2019 dürfen Biozidprodukte der Produktarten 1, 5 oder 6, die als Wirkstoff PHMB (1415; 4.7) enthalten, nicht mehr auf dem Markt bereitgestellt werden.

Der Beschluss tritt am 13.05.2018 in Kraft. Durchführungsbeschluss (EU) 2018/619. 23.04.2018"

 

Quelle: https://simmchem.com/2018/e-2018-619/


Zur Vervollständigung hier noch die am Anfang des Artikels Info zur Herstellung von Teflon.

Teflon

Die Verbraucherzentrale schreibt dazu: "Bei der Produktion von PTFE wurden giftige Schadstoffe eingesetzt, die die Umwelt dauerhaft belasten. So mussten PTFE-Hersteller in den USA hohe Entschädigungen zahlen, weil sie in West Virginia Wasser und Boden mit dem Giftstoff PFOA (Perfluoroctansäure) verseuchten. Durch die PTFE-Produktion im bayrischen Chemiepark Gendorf gelangte ebenfalls PFOA in Wasser und Boden. PFOA schädigt das Immun- und Hormonsystem, ist fruchtschädigend und kann Krebs auslösen. Mittlerweile verwenden PTFE-Produzenten andere fluororganische Verbindungen als Ersatzstoffe für PFOA.

 

Der Kunststoff PTFE selbst kann nur durch Verbrennung zerstört werden. Dabei entsteht giftige Flusssäure, die in Müllverbrennungsanlagen neutralisiert wird. Eingesetzt wird PTFE als Antihaftbeschichtung bei Pfannen und Backformen oder als Membran in Outdoorjacken. Wird PTFE über 360 °C erhitzt, werden giftige Dämpfe freigesetzt. Beschichtetes Geschirr sollte man daher niemals leer erhitzen." 
 Quelle: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/umwelt-haushalt/wohnen/gefahren-fuer-die-gesundheit-durch-plastik-7010?fbclid=IwAR2VnCgQc3BLR5i26fT5kC1WCrvIcUxYlQufWSG5MzetA2gU8BmgSlaIYUs


Hier schreibt für euch Petra Kress. Ich bin die Ideengeberin und der kreative Kopf von Plastik sparen

Für mich sind gesunde Ernährung und der nachhaltige Umgang mit Natur und Umwelt, wichtige Säulen in meinem Leben. Ich möchte für meine Kinder eine Welt hinterlassen, die lebenswert ist.  Viel zu lange habe ich gezögert mich für Veränderung einzusetzen. Mit Plastik sparen möchte ich ab sofort einen Beitrag dazu leisten, dass mehr Menschen - viel mehr Menschen - Plastik im Alltag einsparen.

 

Ich lebe in Frankfurt und arbeite dort als Grafikdesignerin in meinem eigenen Büro.
Seit 2021 bin ich auch Autorin. Mein erstes Buch / E-Book kannst du hier im Shop bestellen.


 

 

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