
Seit die Medien verstärkt über Notfallvorsorge berichten, habe ich mir eine ganze Reihe von Fragen gestellt – insbesondere vor dem Hintergrund eines nachhaltigen und möglichst plastikfreien Handelns, wenn es um das Anlegen von Lebensmittelvorräten geht.
Denn die typischen Bilder (auch das nebenstehende) von gestapelten Plastikflaschen und "Dosenfutter" haben mich ehrlich gesagt nicht überzeugt. Gleichzeitig ploppten immer mehr Fragen auf, zum Beispiel:
Ist das Bevorraten von Lebensmitteln eigentlich ein neues Thema – oder ein sehr altes?
Sind Lebensmittelvorräte wirklich sinnvoll oder führen sie am Ende vor allem zu Lebensmittelverschwendung?
Für mich steht inzwischen fest: Vorsorge funktioniert am besten, wenn sie nachhaltig, alltagstauglich und rotierend gedacht wird. Also nicht als Ausnahmezustand, sondern als Teil eines bewussten, ressourcenschonenden Alltags.
Wer sich ohnehin mit nachhaltigem Konsum beschäftigt, bringt dafür eigentlich schon viele Voraussetzungen mit.
Vorab möchte ich darauf hinweisen, dass meine Empfehlungen und Gedanken auf meinen Erfahrungen mit dem Anlegen von Vorräten im Allgemeinen basieren. Sie funktionieren auch in kleineren
Krisensituationen (3 Tage Stromausfall, Hochwasser, Schnee etc.) . Für größere Katastrophen, die hoffentlich nicht eintreten mögen, gelten teilweise andere Empfehlungen. Den Link zum Bundesamt
für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe habe ich am Ende des Artikels hinterlegt.
Der "lebende Vorrat"
Der Begriff "lebender Vorrat" klingt zunächst etwas merkwürdig und zielt selbstverständlich nicht darauf ab, dass im Vorratsschrank irgendetwas leben sollte. Vielmehr beschreibt er ein einfaches Prinzip: einen Vorrat zu besitzen, aus dem regelmäßig im Alltag konsumiert wird. (Eine kostenlose Checkliste kannst du dir weiter unten im Text bestellen.)
Lebensmittel, die Teil dieses Vorrats sind, werden nicht „für den Notfall aufgehoben“, sondern ganz normal genutzt. Wird ein Produkt verbraucht, wird es anschließend wieder ersetzt. Ein Glas Erbsen zum Beispiel ist Bestandteil des lebenden Vorrats. Sobald es verwendet wurde, landet es auf der Einkaufsliste – und beim nächsten Einkauf wird der Vorrat wieder aufgefüllt. Auf diese Weise bleibt der Vorrat ständig in Bewegung. Die Produkte werden regelmäßig genutzt, ausgetauscht und erneuert. Das hat einen entscheidenden Vorteil: Lebensmittel altern nicht unbemerkt im Schrank, sondern bleiben Teil des normalen Konsumkreislaufs.
Ein "lebender Vorrat" unterscheidet sich damit deutlich von klassischen Notfallvorräten, die oft einmal angelegt und dann jahrelang nicht mehr beachtet werden. Durch die regelmäßige Nutzung wird sichtbar, was tatsächlich gebraucht wird – und was nicht. Gleichzeitig sinkt das Risiko, dass Lebensmittel irgendwann ablaufen und entsorgt werden müssen. Er ist damit kein zusätzlicher Sonderbestand, sondern eine bewusste Organisation des ohnehin vorhandenen Lebensmittelvorrats. Er lässt sich ohne Mehrverbrauch, ohne spezielle Produkte und ohne zusätzliche Lagerflächen umsetzen – und passt sich dem Alltag an, statt ihn zu unterbrechen.
Wie ich das umsetze
Die meisten meiner Vorräte stehen im Keller in einer Kiste. Eine weitere Kiste steht daneben. Immer wenn ich aus Kiste 1 etwas entnehme und nutze, kaufe ich es zeitnah nach. Es kommt also direkt auf meine Einkaufsliste. Das neue Produkt kommt dann in Kiste 2. Ist Kiste 1 leer ist das super, denn alle Produkte wurden vor MHD genutzt. Nun wird Kiste 2 zu Kiste 1 und das Ganze beginnt von vorne. Statt mit einer Kiste geht das natürlich auch mit 2 Regalteilen, 2 Schubladen etc. .
Meine Checkliste - für dich entwickelt
Und weil das Thema so wichtig ist, habe ich eine Checkliste für dich erstellt mit der du feststellen kannst, welche Produkte in deinen "lebenden Vorrat" gehören und welche nicht. Einfach kostenfrei bestellen und ich sende sie dir zu.
Haltbarkeit als Teil des Vorratsgedankens
Haltbarkeit spielt eine zentrale Rolle, wenn Lebensmittel Teil eines Vorrats sein sollen – insbesondere dann, wenn dieser Vorrat regelmäßig genutzt und erneuert wird. Dabei ist nicht nur das Lebensmittel selbst entscheidend, sondern auch die Art der Verpackung, in der es gelagert wird.
Unterschiedliche Verpackungsmaterialien beeinflussen, wie stabil ein Produkt über längere Zeit bleibt. So ist Wasser in Glasflaschen in der Regel länger haltbar als Wasser in Plastikflaschen. Kunststoff kann mit der Zeit Stoffe abgeben und ist empfindlicher gegenüber Wärme und Licht. Glas hingegen ist chemisch stabil, geschmacksneutral und verändert den Inhalt nicht.
Ähnlich verhält es sich bei haltbar gemachten Lebensmitteln. Konservendosen ermöglichen zwar eine lange Lagerung, sind jedoch nicht unbegrenzt stabil. Mit zunehmender Lagerdauer können Geschmack, Konsistenz und Nährstoffgehalt nachlassen. Zudem altern auch Dosenmaterial und Innenbeschichtungen.
Lebensmittel in Gläsern zeigen hier andere Eigenschaften. Glaskonserven sind lichtgeschützt lagerfähig, reagieren nicht mit dem Inhalt und behalten ihre Qualität bei sachgerechter Lagerung oft über sehr lange Zeiträume hinweg.
Wer einen Lebensmittelvorrat nachhaltig anlegen möchte, sollte Haltbarkeit daher nicht isoliert betrachten, sondern als Teil des gesamten Vorratskonzepts. Verpackungen, die langlebig, stabil und wieder verwendbar sind, unterstützen einen Vorrat, der nicht auf Vorratshaltung um ihrer selbst willen setzt, sondern auf Nutzung, Austausch und bewusste Auswahl.
Wasser als unverzichtbarer Bestandteil des Vorrats
Wasser nimmt im Rahmen der Vorratshaltung eine besondere Stellung ein. Während der menschliche Körper mit ausreichender Flüssigkeitszufuhr mehrere Wochen ohne feste Nahrung auskommen kann, ist ein Überleben ohne Wasser in der Regel nur wenige Tage möglich. Medizinische Richtwerte gehen von etwa drei bis fünf Tagen ohne Flüssigkeit aus, abhängig von äußeren Bedingungen und dem individuellen Gesundheitszustand.
Damit ist Wasser nicht nur ein Bestandteil des Lebensmittelvorrats, sondern dessen Grundlage. Im Notfall wird es nicht ausschließlich zum Trinken benötigt, sondern auch für einfache hygienische Tätigkeiten wie Zähneputzen, Händewaschen oder das Abspülen von Geschirr. Selbst kleine Mengen tragen dazu bei, den Alltag unter eingeschränkten Bedingungen aufrechtzuerhalten.
Für einen nachhaltigen Vorrat bedeutet das: Wasser sollte bewusst mitgedacht und regelmäßig genutzt werden. Stilles Wasser ist dabei besonders vielseitig einsetzbar. Wie bei Lebensmitteln gilt auch hier das Prinzip des lebenden Vorrats – Nutzung, Erneuerung und Überblick statt langfristiger, unbewegter Lagerung.
Die Problematik des Wasservorrats
Normalerweise trinken wir Leitungswasser. Ich habe inzwischen auch einen Wasserhahnfilter ... aber auch das ist Leitungswasser. Wasser aus Glasflaschen haben wir deshalb eigentlich nie im Vorrat,
und wenn max. einen Kasten, was natürlich für einen 3-Personen-Haushalt im Notfall nicht ausreichend ist. Das Problem ist der Standort der Wasserkästen / bzw. der Platzmangel.
Trotzdem haben wir uns nun dazu entschieden mit 2 Kästen zu starten und diese rotierend auszutauschen. Wir starten absichtlich klein, um uns an die Bevorratung von Wasser
heranzutasten.
Nicht vergessen sollte man bei dem Vorratsgedanken auch, dass es in einem Haushalt meist auch noch anderes Trinkbares gibt ... Saft, Milch, Bier, Limo etc. ... und dass auch Gemüse und Obst
Flüssigkeit enthält.
Vorratshaltung ist so individuell wie der Haushalt selbst
Bei vielen Medienberichten zur Vorratshaltung in Krisenzeiten tauchen ähnliche Bilder auf: Regale gefüllt mit Nudeln, Raviolidosen, Wurstkonserven und haltbaren Standardprodukten. Diese Darstellungen vermitteln den Eindruck, es gäbe einen allgemein gültigen Vorrat, der für alle Haushalte gleichermaßen passt.
In der Praxis ist Vorratshaltung jedoch so individuell wie die Menschen, für die sie gedacht ist. Essgewohnheiten, Vorlieben und der tatsächliche Verbrauch unterscheiden sich stark – und genau das sollte sich auch im Vorrat widerspiegeln. Ein lebender Vorrat ergibt sich dabei oft ganz selbstverständlich aus dem Alltag: Er besteht aus Lebensmitteln, die ohnehin regelmäßig genutzt werden, und passt sich automatisch an die Bedürfnisse des jeweiligen Haushalts an. Auch unterschiedliche Ernährungsformen wie vegetarische oder vegane Ernährung können so bei der Vorratshaltung berücksichtigt werden.
Besonders wichtig ist es, Allergien und Unverträglichkeiten mitzudenken. Lebensmittel, die im Notfall nicht vertragen werden, sind kein sinnvoller Bestandteil eines Vorrats – unabhängig von ihrer Haltbarkeit. Gleiches gilt für besondere Ernährungsformen oder medizinisch notwendige Diäten.
Auch das Alter der Personen im Haushalt spielt eine Rolle. Der Bedarf an bestimmten Lebensmitteln, die Konsistenz von Speisen oder der
Flüssigkeitsbedarf können sich je nach Lebensphase unterscheiden. Vorratshaltung ist daher keine abstrakte Liste, sondern eine bewusste Anpassung an reale Bedürfnisse.
Und schlussendlich gilt es auch daran zu denken, dass Haustiere über einen Notzeitraum gut versorgt sind.
Sinnvolle und weniger sinnvolle Vorratsprodukte im Krisenfall
Nicht jedes haltbare Lebensmittel ist automatisch auch ein sinnvolles Vorratsprodukt für eine Krisensituation. Entscheidend ist nicht nur die Haltbarkeit, sondern auch, wie viel Energie, Wasser und Zeit für die Zubereitung benötigt werden.
Weniger sinnvoll: Lebensmittel, die lange gekocht werden müssen sind im Krisenfall nur eingeschränkt geeignet.
Dazu zählen unter anderem:
Kartoffeln, klassische Nudeln, getrocknete Hülsenfrüchte
Selbst wenn eine alternative Energiequelle wie ein Gaskocher zur Verfügung steht, ist der Energieverbrauch für lange Kochzeiten vergleichsweise hoch. Zudem wird zusätzlich Wasser benötigt, was in einer Ausnahmesituation ebenfalls begrenzt sein kann.
Sinnvoller: kurze Garzeiten und einfache Zubereitung
Wenn Nudeln Teil des Vorrats sind, sind kleine Nudelformen oder Produkte mit sehr kurzer Garzeit praktischer. Auch Lebensmittel wie Couscous, der lediglich mit heißem Wasser quellen muss, benötigen deutlich weniger Energie.
Grundsätzlich gilt: Je kürzer die Zubereitungszeit, desto besser eignet sich ein Lebensmittel für den Krisenfall.
Wichtig: Lebensmittel ohne Aufwärmen - Lebensmittel, die ohne Erhitzen verzehrt werden können, sind besonders wertvoll. Auch wenn sie geschmacklich nicht immer überzeugen,
stellen sie sicher, dass eine Mahlzeit auch dann möglich ist, wenn keine Energiequelle zur Verfügung steht.
Solche Produkte ermöglichen eine Grundversorgung unabhängig von Strom, Gas oder offenem Feuer.
Selbst Eingemachtes und Eingekochtes ist natürlich immer eine besonders wertvolle und gut schmeckende Ressource.
Energie sparen durch Warmhalten
Wo warmes Essen möglich ist, lässt sich Energie sparen, indem Speisen nicht dauerhaft erhitzt werden. Das Warmhalten von gekochten Mahlzeiten, zum Beispiel eingewickelt in Decken oder Handtücher, ist eine bewährte Methode, die früher selbstverständlich war und auch heute noch funktioniert. Eine Kochkiste ist natürlich auch ein super Sache.
Vorrat in der Gefriertruhe
Für den Alltag eine super Erleichterung, im Falle einer Krise leider nicht hilfreich. Nach 4 Stunden ohne Strom beginnen die Produkte im Tiefkühlfach bereits aufzutauen. Oftmals sind
Tiefkühlprodukte zudem roh und können nicht ohne Erhitzung verzehrt werden.
Lebensmittel bevorraten gestern und heute
Lebensmittel zu bevorraten ist kein neues Phänomen und auch keine moderne Reaktion auf aktuelle Krisen. Über Jahrhunderte hinweg war es ein selbstverständlicher Bestandteil des Alltags – lange bevor es jederzeit verfügbare Supermärkte oder globale Lieferketten gab.
In ländlichen Regionen wurden Vorräte angelegt, um Zeiten zu überbrücken, in denen frische Lebensmittel nicht verfügbar waren: Wintermonate, schlechte Ernten oder längere Transportwege. Haltbarmachung durch Trocknen, Einlegen, Fermentieren oder Lagern in kühlen Räumen gehörte zum normalen Haushaltswissen. Vorratskammern, Keller und Speisekammern waren kein Zeichen von Überfluss, sondern von Planung und Erfahrung.
Mit der Industrialisierung und dem Ausbau moderner Versorgungssysteme verlor die private Bevorratung zunehmend an Bedeutung. Lebensmittel wurden ganzjährig verfügbar, Haushalte kleiner, Lagerräume verschwanden. Die Verantwortung für Versorgung verlagerte sich schrittweise von den Haushalten hin zu Handel und Infrastruktur.
Heute gewinnt das Thema wieder an Aufmerksamkeit – allerdings unter anderen Vorzeichen. Globale Lieferketten, Just-in-Time-Produktion und eine hohe Abhängigkeit von funktionierender Infrastruktur machen deutlich, wie eng Versorgungssicherheit und Alltag miteinander verknüpft sind. Gleichzeitig hat sich unser Verständnis von Nachhaltigkeit verändert: Wegwerfen, Überbevorraten und kurzfristiger Konsum werden von einem Teil der Bevölkerung zunehmend hinterfragt.
Vor diesem Hintergrund ist Lebensmittelbevorratung kein Rückschritt, sondern eine zeitgemäße Form von Verantwortung. Nicht als Ansammlung ungenutzter Vorräte, sondern als bewusste, rotierende Ergänzung des täglichen Konsums. Ein Lebensmittelvorrat, der genutzt wird, bleibt kein Ausnahmezustand – sondern Teil eines durchdachten, ressourcenschonenden Alltags.
Hier ist natürlich auch noch der Link des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe mit entsprechenden offiziellen Empfehlungen https://www.bbk.bund.de
Hier schreibt für dich Petra Kress. Ich bin die Ideengeberin und der kreative Kopf von Plastik sparen.
Für mich sind gesunde Ernährung und der nachhaltige Umgang mit Natur und Umwelt, wichtige Säulen in meinem Leben. Ich möchte für meine Kinder eine Welt hinterlassen, die lebenswert ist. Viel zu lange habe ich gezögert mich für Veränderung einzusetzen. Mit Plastik sparen möchte ich ab sofort einen Beitrag dazu leisten, dass mehr Menschen - viel mehr Menschen - Plastik im Alltag einsparen.
Ich lebe in Frankfurt und arbeite dort als Grafikdesignerin in meinem eigenen Büro.
Seit 2021 bin ich auch Autorin.
Ich freue mich, wenn du mir einen Kommentar oder Anregungen zu meinem Blogartikel hinterlässt. Aufgrund datenschutzrechtlicher Bestimmungen kann ich dir aber nicht antworten. Möchtest du persönlich mit mir in Kontakt treten, dann schreibe mir gerne über Facebook, Instagram oder via Mail [email protected]

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