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Hat Plastik eine bessere CO2-Bilanz als Glas

Diese Aussage hat ihre Berechtigung, das möchte ich ihr nicht absprechen. Aber sie ist ein Beispiel für "einspuriges" Denken. Und je öfter sie wiederholt wird, desto mehr Menschen glauben sie ... einfach so. Hast du auch Bedenken beim Griff zum Einwegglas und greifst mit einem besseren Gefühl zur Plastikverpackung? Aber ist das wirklich eine gute Lösung?


Umwelt- und Klimaschutz ist mehr als nur die Betrachtung von CO2

Bedingt durch immer mehr Anzeichen für den Klimawandel ist der Fokus der Medien momentan auf das CO2 fixiert. Alle anderen Bereiche werden ausgeblendet ... die Verschmutzung der Gewässer und Meere durch Abwasser, Chemikalien, Farben, atomar angereicherte Abwässer ... , die Verschmutzung der Luft durch fehlende Filteranlagen ... Vermüllung und Ressourcenverschwendung, Schadstoffbelastung, Pestizideinsatz ... die Plastikinseln im Meer, die mit Plastik verstopften Flüsse und verschmutzten Strände, die langsam brennenden Plastikmüllberge ...


Glas verschmutzt nicht die Umwelt

Gibt es sie, die mit Glas vermüllten Strände und Flüsse? Langsam brennende Müllberge aus Glas? Glas-Exporte in Dritt-Welt-Länder?
Nein, natürlich nicht. Denn Glas wird im Gegensatz zu Plastik zu 99 Prozent recycelt. Es ist ein wertiges Material, das immer wieder verwendet werden kann und gezielt sortiert, gesammelt und recycelt wird. Braunglas, Grünglas, Weißglas ... diese drei Varianten gibt es. Sie unterscheiden sich nur in der Farbe. Das Material ist das gleiche. Deswegen ist ein Recycling problemlos möglich. Das Glas wird eingeschmolzen und es entsteht eine neue Flasche, ein neues Glas. 
Im Gegensatz zu Plastik. Es gibt hunderte verschiedene Plastikarten, die zusammen in einem gelben Sack/einer gelben Tonne gesammelt werden. Nach einer mühsamen Trennung werden ca. 9 Prozent recycelt, ein großer Teil verbrannt und der Rest in Ausland exportiert, wo er Umwelt und Natur nachhaltig beeinträchtigt.
Die Frage ist nun, was ist nachhaltiger? Höherer Energieverbrauch beim Einschmelzen von Glas und die Entstehung von CO2 oder die Vermüllung des Planeten durch Plastik?


Wie viel Glas wird verbraucht, bzw. genutzt?

Der Verbrauch von Glasverpackungen ist seit 1991 rückläufig, wie "Statista" erhoben hat. Mit der Produktion und dem Verbrauch von Plastik sieht es leider anders aus, denn es ist billig, einfach einzusetzen und vermüllt dadurch die Umwelt und unsere Gesundheit, wie die Grafiken aus dem Plastikatlas deutlich zeigen.



Glas wird nicht nur für Verpackungen eingesetzt.

Bei der Entstehung von C02 durch die Produktion und das Recycling von Glas, ist zu Bedenken, dass Glas nicht nur zur Verpackung von Lebensmitteln eingesetzt wird, sondern auch in vielen anderen Bereichen Anwendung findet ... Glasscheiben für Autos, riesig große Fensterscheiben und -türen für Wohnungen und Häuser, Supermärkte, Ladengalerien ... gerade in der Architektur der heutigen Zeit werden Glasflächen großzügig eingesetzt. Das für diese Projekte benötigte Glas setzt in der Produktion natürlich auch CO2 frei, bindet Ressourcen und kommt nicht wieder (oder nur nach einer sehr langen Nutzungsdauer) zurück in den Recyclingprozess.


Wie schmutzig ist die Produktion von Glas und Plastik?

Für die Produktion von neuem Glas sind die häufigsten Rohstoffe: Quarzsand (70%), Soda, Pottasche, 

Feldspat, Tonerde, Kalk, Dolomit und auch Altglas.
Der Abbau dieser Ressourcen ist als bedenklich anzusehen, denn der "Hunger" nach Glas im Bau- und Automobilbereich ist riesig.
Das Recycling der Glasverpackungen, wenn auch mit hohem Energieaufwand, benötigt diese Ressourcen nicht. 

Auch die Produktion von Plastik ist energieaufwändig, auch hier wird CO2 freigesetzt und zusätzlich gefährdet sie Mensch und Umwelt. Über den gesamten Lebenszyklus von Plastik ist der Mensch toxischen Chemikalien und Mikroplastik ausgesetzt und diese Schadstoffe dringen auf unterschiedlichen Wegen in den Körper ein. Und sie beeinträchtigen natürlich auch Tiere, Pflanzen, Luft, Wasser ... 

Die Frage ist auch hier wieder, was ist nachhaltiger? Höherer Energieverbrauch beim Einschmelzen von Glas und die Entstehung von CO2 oder die Beeinträchtigung der gesamten Umwelt durch toxische Chemikalien und Mikroplastik?


Was ist denn nun besser, Glas oder Plastik?

Am besten ist es natürlich man benötigt keines von beiden ... unverpackt einkaufen und Verpackungsmaterialien jeglicher Art, auch Papier, vermeiden ist die nachhaltigste Art einzukaufen.
Gesünder ist es auf jeden Fall in Glas verpackte Lebensmittel und Getränke zu kaufen. Denn aus Glas migrieren keine Giftstoffe in Lebensmittel und Getränke, aus Plastik hingegen schon.
Mehrweggläser sind besser als Einweggläser, denn Einweggläser werden nach nur einmaliger Nutzung wieder recycelt und das kostet Energie. Ich persönlich greife trotzdem ab und an zu Einweggläsern und nutze sie dann aber vielfältig, bevor ich sie wieder dem Recycling zuführe. Für mich sind sie die umweltfreundlichere Alternative, wenn ich alle die Umwelt beeinflussenden Fakten berücksichtige. Ich treffe diese Entscheidung auch vor dem Hintergrund, dass die Glasverpackungen nur einen Teil der weltweiten Glasproduktion ausmachen und an vielen anderen Stellen auch an einen umsichtigeren Einsatz von Glas gedacht werden sollte.


Warum gibt es Einweggläser?

In Deutschland gibt es ein Mehrwegglas-System für Gläser mit 250 ml oder 500 ml Füllvermögen und für Flaschen mit 0,5 l und 1 l Füllvermögen für trockene und flüssige Lebensmittel. 
Aus Marketinggründen um im Regal mit einer besonderen Flaschenform aufzufallen nutzen viele Hersteller dieses Mehrwegsystem nicht und sorgen damit für eine Belastung der Umwelt durch CO2. Während es bei Bierflaschen und Wasserflaschen gut mit Mehrwegsystemen klappt, gibt es zum Beispiel kein Mehrwegsystem für Weinflaschen ... warum eigentlich nicht? 


Plastik ist aber beim Transport leichter und spart dadurch Emissionen ...

Auch dies ist wieder ein Beispiel für "einspuriges" Denken. :-) Finde ich. Es nimmt den Transport von A nach B aus dem Gesamtzusammenhang. Mineralwasser z.B. in Frankreich zu fördern, den Grundwasserspiegel vor Ort zu senken und Natur und Umwelt zu beeinträchtigen um es dann in Glasflaschen oder Plastikflaschen nach Deutschland zu transportieren ist so und so nicht nachhaltig und am besten sollte darauf verzichtet werden ...

Nachhaltig denken und handeln erfordert immer auch einen Blick auf das Ganze. Nur dann ist es möglich eine gute Entscheidung zu treffen ... in diesem Fall wäre das dann das regionale Mineralwasser in der Glasflasche oder noch besser einfach Leitungswasser. :-)


Fazit: Eine bessere CO2-Bilanz von Plastik bei Produktion und Transport ist für mich kein Argument für die Nutzung von Plastik. Meiner Ansicht nach ist der bewusste Kauf von in Glas verpackten Produkten in der Gesamt-Betrachtung nachhaltiger als die Nutzung von Plastik als Verpackungsmaterial. Ein verpackungsfreier Einkauf ist, wie bereits erwähnt, natürlich die allerbeste Variante.

Nicht zu vergessen dabei, dass es andere Wirtschaftsbereiche gibt in der man die Glasproduktion überdenken sollte und dass es Bereiche gibt, in denen eine CO2-Einsparung gleichzeitig ein Plus für die Umwelt bedeutet, wie z.B. eine Reduzierung des Flug- und Autoverkehrs.
Im Bereich Einwegglas sind die Unternehmen gefordert auf Mehrwegvarianten umzusteigen. Unseren Einkauf können wir auch hier als Stimmzettel nutzen.

Wie entscheidest du dich? Glas oder Plastik? Ich freue mich über deine Meinung.


Hier schreibt für euch Petra Kress. Ich bin die Ideengeberin und der kreative Kopf von Plastik sparen

Für mich sind gesunde Ernährung und der nachhaltige Umgang mit Natur und Umwelt, wichtige Säulen in meinem Leben. Ich möchte für meine Kinder eine Welt hinterlassen, die lebenswert ist.  Viel zu lange habe ich gezögert mich für Veränderung einzusetzen. Mit Plastik sparen möchte ich ab sofort einen Beitrag dazu leisten, dass mehr Menschen - viel mehr Menschen - Plastik im Alltag einsparen.

 

Ich lebe in Frankfurt und arbeite dort als Grafikdesignerin in meinem eigenen Büro.
Seit 2021 bin ich auch Autorin. Mein erstes Buch / E-Book kannst du hier im Shop bestellen.

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